Wenn Du ins kalte Wasser geschmissen wirst!

Bist Du jemals ins kalte Wasser geschmissen worden und bist dabei kläglich gescheitert?

IMG_1572Anja

Als ich um die 17 Jahre alt war, habe ich eine sogenannte „Oberstufentagung“, die von der Rudolf-Steiner Schule in Wien organisiert worden war, besucht. Es wurden viele verschiedene Workshops angeboten, Tanz, Rhythmus etc. Wir haben alle mit unseren Isomatten und Schlafsäcken direkt in der Schule übernachtet. Es war in jeder Hinsicht ein richtiges Abenteuer; so viele interessante Leute aus anderen Schulen zu treffen und natürlich sich in so einer wundervollen Hauptstadt wie Wien aufzuhalten, in der es mit Abstand das beste Eis gibt. Es war ein tolles Erlebnis, bis auf die eine Begebenheit, an die ich mich heute noch mit einem Schaudern im Nacken erinnern kann.

Eine Schülergruppe führte etwas auf einer provisorischen Bühne in den Gängen der Schule auf. Besser gesagt sie improvisierten vor einer großen Gruppe an Zuschauern, die sich um sie geschart hatten. Das Ganze war noch dazu nicht in deutsch, sondern in englisch.
Kaum hatte ich mich versehen war ich auch schon auf die Bühne gezerrt worden, um an der Improvisation vor allen diesen Leuten teilzunehmen. Ich flüchtete mich sofort auf einen leeren Stuhl, der auf der Bühne stand und verharrte dort ohne mich zu bewegen oder auch nur ein Wort zu sagen bis zum Ende der Aufführung. Ich wäre am liebsten im Erdboden versunken, das Blut war mir vor Angst in den Adern gefroren.

Heute, etliche Jahre später, liebe ich die Improvisation! Ich finde es aufregend, ja regelrecht berauschend und ich denke, dass meine beste Arbeit fast immer aus der Improvisation entsprungen ist. Ich glaube, wenn mich jetzt jemand auf die Bühne zerren würde, dann würde ich wahrscheinlich besser damit umgehen können … obwohl ich es an sich immer noch nicht mag auf die Bühne gezerrt zu werden.
Wie ist es gekommen, dass ich mich von einem Zustand der absoluten Fassungslosigkeit zu einem Zustand des wilden Enthusiasmus hinbewegt habe?

Als ich damals auf die Bühne gezerrt wurde um zu improvisieren, wusste ich nicht was das eigentlich war. Ich habe voller Inbrunst Theater gespielt und es geliebt, aber alles war immer geprobt, Improvisation kam nie zum Einsatz. Nachdem ich nicht wusste, was da auf der Bühne geschah und wie ich interagieren sollte, erstarrte ich auf der Stelle.
Die Leute glauben oft, dass man innerhalb der Improvisation einfach irgend etwas macht, aber so ist es nicht. Es ist eine Kunstform und es braucht wie jedes andere Handwerk auch eine Menge Übung. In der Improvisation geht es darum den Moment zu jagen. Den Moment, wo alles andere wegfällt und Du einfach das ausagierst, was Du genau in diesem Moment spürst. Es gibt viele verschiedene Formen der Improvisation und man kann sie auf mannigfaltige Art und Weise benutzen. Ich habe im Laufe der Jahre viele verschiedene Techniken als auch Mittel und Wege sie für die verschiedensten Dinge nutzbar zu machen, kennengelernt. Ich glaube fest daran, dass wenn Du wirklich etwas Originelles kreieren willst, dann ist die Improvisation das Handwerkszeug! Es ist nicht wirklich wichtig an was Du arbeitest, ob das ein Buch, ein Bild, eine Aufführung etc. ist.

Manchmal werden wir ins kalte Wasser geschmissen und wir denken wir gehen unter. Aber wenn wir im Nachhinein auf die Situation zurück blicken, dann erkennen wir, dass dieses Ereignis wegweisend war. Genau das ist mir passiert! Wenn ich aus heutiger Perspektive mir dieses unangenehme Erlebnis vor Augen führe, bei dem ich mich wie ein Fisch auf dem Trockenen fühlte, dann betrachte ich es heute als einen wahren Segen, der dafür gesorgt hat, dass ich später Improvisation in allen ihren Formen erforscht habe.

Jetzt werde ich mich noch einmal ins kalte Wasser werfen. Ich werde meine dritte Solo Show entwickeln. Aber dieses Mal werde ich mit viel mehr improvisierten Elementen, als ich es je zuvor innerhalb eines Stückes getan habe, arbeiten. Bei meinen zwei früheren Stücken diente die Improvisation hauptsächlich dazu, um neues Material zu kreieren, die Show an sich war aber weitgehend festgelegt. Dieses Mal möchte ich etwas Verrücktes machen, etwas Wildes. Ich möchte mit den verschiedenen Formen der Improvisation als auch einer Struktur spielen.

Ich werde zwischen den Worten wandeln.

Ich werde mich ins kalte Wasser schmeissen und ich freue mich darauf!

Wann wurdest Du das letzte Mal ins kalte Wasser geschmissen? Was ist passiert?

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Thorsten
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Thorsten

Das sind sehr schöne und einprägsame Gedanken.

Ich wünsche euch, dass ihr euch jedoch eher selbst ins Wasser schmeißt, als das andere dies für Euch tun ;-)Die

Melanie Sari
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Melanie Sari

Wie wahr das wohl ist mit dem „ins Wasser geworfen werden“! Ich wurde auf jeden Fall ins Wasser geworfen als ich das erste Mal Deutsch unterrichten sollte – ohne Vorbereitung! Und da ging es mir wie dir. Man muss erst schwimmen lernen, sich im Wasser bewegen lernen, sich mit den Eigenschaften des Wassers vertraut machen – und auch immer wieder mal trocknen. Aber irgenwann macht einem das Schwimmen einfach so großen Spaß, dass man immer wieder ins Wasser springen will! Wenn ich Unterrichtsvertretung mache, fühle ich mich in gewisser Weise fast jedes Mal ein bisschen wie ins Wasser geworfen, da… Read more »

Susanne Novy
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Susanne Novy

Sehr schöne Idee. Ich denke dass mit jedem mal, wenn man ins kalte Wasser geschmissen wird, dass man zwar „nass“, aber auch innerlich erfüllt und gestärkt mit neuem Elan und Mut wieder hervorkommt.Und man braucht dann eine gewisse Zeit um zu „trocknen“ und sich zu sammeln und überlegen was man aus dieser Situation Gutes gelernt hat.
Ich wünsche Dir sehr viele gute Ideen und Kraft und Mut, all Deine Tatkraft umzusetzen und Erfüllung zu finden.
Mit LG Susanne