Wenn alles schief läuft …

Ist bei Dir schon einmal alles schief gelaufen, was schief laufen kann? Ich meine hast Du schon einmal ein Projekt voller Enthusiasmus angefangen bis auf einmal alles in Chaos ausuferte?
Du wolltest davon rennen, so weit weg wie möglich aber es war zu spät!
Du musstest es wohl oder Übel durchziehen …

IMG_4483Anja

Als ich 2001 nach London gezogen bin, ich war damals 29 Jahre alt, um die Lecoq Methode an der „School for Physical Theatre“ zu studieren, hatte ich keinerlei Absichten ein eigenes Solo Programm zu gestalten. Ich wollte einfach nur eine spezifische Schauspielmethode, die mir sehr gefiel, richtig gut kennenlernen. Das war’s. Nachdem Abschluss des Trainings wollte ich wieder zurück nach Deutschland gehen, um dort als Theaterpädagogin zu arbeiten.

Es ist aber alles ganz anders gekommen! Ron East, der Leiter der Schule, erzählte uns eines Tages, dass er von nun an ein zusätzliches Programm anbieten würde, in dem man lernen könnte, wie man eine Show kreiert. Er würde die Regie führen. Ich war nicht gerade sehr über diese Nachricht erfreut. Ich hatte mir doch schon alles zurecht gelegt, warum musste Ron mich vor diese Wahl stellen! Musste ich mir darüber überhaupt irgend welche Gedanken machen? Ich versuchte die ganze Sache zu ignorieren, so zu tun als ob es diese neue Möglichkeit nicht geben würde. Das war nichts für mich, ganz sicher!
Eines Tages wachte ich auf und wusste ich würde ein Solo Programm kreieren, ich würde Ron’s Zusatzausbildung absolvieren. Wie auch schon meine Entscheidung nach London zu gehen und die Schule zu besuchen intuitiver Natur gewesen war, so war das auch jetzt wieder der Fall. Ich konnte es nicht erklären, aber ich würde es durchziehen. Egal wie!

Während der Sommerpause arbeitete ich freiwillig in einem buddhistischen Zentrum „Dzogchen Beara“ in Irland und dort entwickelte ich auch die Grundidee für mein Stück. Ich hatte das Bild eines Zirkusdompteurs vor Augen, der verzweifelt versucht, die ganzen verschiedenen Emotionen zu kontrollieren, deswegen der Titel „Zirkus der Gefühle“.

Ich erstellte Masken, rannte verzweifelt von einem Laden zum anderen um Polizeihelme aus Plastik zu finden, auf die die Masken angebracht werden sollten, so wie es Ron vorgeschlagen hatte. Und ich war auf der Jagd einiger anderer skurriler Sachen, die ich für das Stück brauchte. Ich hatte eine Kostümdesignerin, eine Licht- und Tontechnikerin und natürlich Ron, der die Regie führte. Er entwickelte immer wieder die komischsten, herausforderndsten Konzepte, bei denen ich jedes Mal insgeheim erschauderte. Wirklich? Wie sollte ich das bloß bewerkstelligen!
Es war in vielerlei Hinsicht eine Achterbahnfahrt. Obwohl, die meiste Zeit über machte mir das Projekt viel Freude. Ich befand mich inmitten des chaotischen Strudels der Kreation. Es war aufregend!

Zwei Tage vor meiner Premiere kamen endlich die fertigen Kostüme an Land, was reichlich spät war, wenn man bedenkt, dass es mir kaum Zeit liess mit dem neuen Material zu üben. Ich erinnere mich noch genau an die abendliche Probe, bei der ich mit allen Kostümen kämpfte, als wenn sie ein wildes Tier, das mich anfallen wollte, darstellten. Ich hatte viele Kostümwechsel und nichts, rein gar nichts funktionierte. Der Leotard, den die Kostümdesignerin für mich genäht hatte, platzte an den ganzen Nähten und sah fürchterlich aus. Alles ging schief! Ich wäre am liebsten auf der Stelle umgedreht und so weit weg wie möglich gerannt. Was für eine blöde Idee ein Solo Programm zu machen das doch gewesen war! Und was tat Ron? Er sagte einfach: „Und jetzt machst Du gleich noch einmal einen Durchlauf.“ Er ignorierte mein ganzes Unglück vollkommen. Man muss wissen, das mein Stück 1.5 Stunden dauerte, ohne Pause und ich war die ganze Zeit über auf der Bühne. Es war auch in physischer Hinsicht ziemlich herausfordernd. Natürlich gehorchte ich, aber ich hätte Ron umbringen können, dass er mir das abverlangte. Dieses Mal war ich so erschöpft, dass ich keine Kraft mehr hatte mit den Kostümen zu kämpfen. Alles verlief auf einmal reibungslos!

Wir haben nur noch einen Tag bis zur Premiere und heute ist die Generalprobe. Ich habe einen anderen besseren Leotard gefunden und gekauft. Alles ist bereit. Ausser, dass unsere Licht- und Tontechnikerin, Nour, nicht da ist. Ohne sie können wir nicht anfangen. Sie ist über ihr Handy nicht zu erreichen und es ist weit und breit nichts von ihr zu sehen. Wir warten. Eine Stunde, zwei Stunden … mehrere Stunden. Was für ein Alptraum und es scheint kein Ende in Sicht zu sein! Nour erscheint völlig aufgelöst geschlagene 4 Stunden später. Die U-Bahn ist ausgefallen und ein Typ hat sie auch noch blöd angemacht, so dass sie davon rennen musste … Was kann denn noch schief gehen?

Die Premiere ist reibungslos von statten gegangen. Ich habe das Programm, sowohl in London als auch in Hamburg aufgeführt.
In Paulo Coelho’s Buch „Der Alchemist“ beschreibt er, dass wenn wir einen Traum haben zu Anfang alles glatt läuft und das Universum uns aus allen Kräften unterstützt, damit wir, wenn es dann herausfordernder wird auch durchhalten und nicht aufgeben, wahrscheinlich weil es dann auch schon zu spät ist. Wir sind mitten drin!

Bei mir wird nichts mehr schief laufen, bestimmt! Nur, dass ich verrückt genug bin mich an ein drittes Solo Programm heran zu wagen. Dieses Mal läuft alles glatt, ich bin mir sicher …

Wann ist bei Dir das letzte Mal etwas schief gelaufen? Was hast Du gemacht, um Dich wieder aus dem Schlamassel heraus zu katapultieren?

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