Was bist Du so beschäftigt?

IMG_6937View To a ThrillGeschäftigkeit scheint einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft einzunehmen. Sie hat sich zu dem Maßstab des wertvollen Bürgers in einer funktionalen und zweckorientierten Kultur entwickelt.
Wer keine Zeit hat, der ist etwas, der hat etwas aus sich gemacht! Die grauen Herren schleichen unmerklich durch die Gedanken der Menschen. Michael Ende konnte ihnen mit seiner Momo leider keinen Einhalt gebieten.
Es bedarf einer großen Willensanstrengung dem eigenen Rhythmus in solch einer Umgebung zu folgen, dem Pulsschlag des individuellen Herzens treu zu bleiben.
Aber was haben die grauen Herren noch mitgenommen ausser der Zeit, die an allen Ecken und Enden zu fehlen scheint?
Die Seele, die kann nämlich nur im zeitfreien Raum existieren und aus diesem Grund ist sie ins Exil verbannt worden. Wie der Dalai Lama, der nicht mehr in seinem eigenen Land regieren kann, denn Mitgefühl ist eine Bedrohung des Regimes.

Als ich in diesem Jahr an einem Gesangsworkshop mit Ida Kelarova teilnahm, welche Lieder in der Zigeunertradition mit uns einübte, erzählte sie uns eine Geschichte, die mich immer noch beschäftigt. Als sie vor ein paar Jahren ihren Vater verlor, ging sie durch eine tiefe, mehrmonatige Trauerphase und besuchte in ihrer Verzweiflung schließlich den Arzt, der ihre Situation nicht verstehen konnte und ihr daraufhin Antidepressiva verschrieb. Sie war schockiert, denn bei den Zigeunern stehen die Gefühle und das Ausleben von dergleichen noch im hohen Kurs! In unserer Kultur muss selbst das Trauern schnell erledigt werden bzw. am besten findet es erst gar nicht statt. Beschäftigt sein ist besser!

Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie sehr wir in einer Zeit der angeblich individuellen Freiheit von einschnürenden Normen regiert werden, die vorwiegend über die Werbung vermittelt werden.
Wir sollen wie Maschinen funktionieren, den Betrieb reibungslos im Gang halten. Wenn wir ausscheren wollen, dann kommen die Dämonen.
Sie erzählen dir, dass du nicht gut genug bist und nicht dazu gehörst, wenn du nicht mitmachst. Und willst du das? Willst du das wirklich?

Wer bin ich denn noch, wenn ich nicht beschäftigt bin? Was bleibt von mir übrig? Bin ich noch etwas wert, wenn ich nicht wie all die anderen verstört durch die Gegend renne. Wenn ich meine Aktionen nicht logisch rechtfertigen kann?

Es ist kein Wunder, dass es sowohl Kindern als auch Künstlern in solch einem Klima an den Kragen geht. Was für eine Daseinsberechtigung haben sie, wenn sie doch nur spielen! Es macht weder Sinn noch erfüllt es einen Zweck.
Der Künstler soll sein Kunstwerk, das keinen Sinn macht an den Mann bringen. Aber wie soll er es verkaufen, wenn als Verkaufsmodell nur alles was eine Funktion hat zählt? Soll er sagen: „Hier ich gebe Dir ein Stück Deiner Seele zurück?“ Denn das ist es doch, was er im Grunde tut. Die Kunst bindet uns an unsere Seele. Raus aus dem Verstand, zurück ins Herz. Dafür ist sie schon immer da gewesen!

Wozu verkommt die Kunst, wenn sie sich in sich selbst rechtfertigen muss? Wenn sie nicht einfach eine Daseinsberechtigung an sich hat? Wenn Kunst versucht einen logischen Sinn zu erhalten, dann wird sie hohl. So wie auch Spiele lahm werden, wenn sie einen Sinn erfüllen müssen.
Sowohl die zweckfreie Freude, als auch die sinnvolle Sinnlosigkeit sind zu Erzfeinden unserer einzig materiell ausgerichteten Gesellschaft geworden, deren einziges Ziel wirtschaftliches Wachstum und Profit ist.

Die Frage ist doch wirklich, wann kehren wir um! Oder rennen wir blind weiter, weil wir zu gestresst sind, uns genau diese Frage zu stellen? Sind wir zu beschäftigt eine gut funktionierende Maschine zu sein, die ihren Tribut an eine fordernde Gesellschaft zahlt, die keine Zeit mehr hat zu erkennen, dass wir unaufhörlich auf einen Abgrund zu steuern.
Ist es nicht an der Zeit sich der sogenannten Gesellschaft und ihren Normen entschieden entgegen zu stellen. Und laut zu schreien:“Stop!“

Künstler sollten nie dazu gezwungen sein ihr Kunstwerk zu rechtfertigen, ihm einen Sinn zu geben und Kinder sollten wieder ermuntert werden sinnlose Spiele zu spielen, bei denen man anscheinend nichts lernen kann.

Ich will meine Geschichten und Kunstwerke nicht rechtfertigen müssen. Sie sind was sie sind. Zwecklos und sinnvoll sinnlos. Sie bringen die Magie zurück, den Zauber des Lebens, der sich um Zweck und Sinn herzlich wenig schert, dafür aber lebendig und unvorhersehbar ist.

Bist du immer noch beschäftigt oder lebst du schon! Das ist die einzige Frage, die zählt. Wir können und müssen uns alle Zeit der Welt nehmen, um sie zu beantworten!

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